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Polling

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Christoph Ulrich

Es ist kein Zufall, dass es in Polling Dinge gibt, die so schnell in keinem anderen Dorf in dieser Zusammensetzung vorkommen. Geprägt von seiner klösterlichen Geschichte, deren Hinterlassenschaften und Bauwerke noch heute das Ortsbild beeinflussen, haben die schönen Dinge des Lebens eine lange Tradition. Vor allem unter der Ägide der Augustinerchorherren erlebten Kunst und Kunsthandwerk eine Glanzzeit, von der heute unter anderem der Bibliothekssaal von 1776 oder die Stiftskirche zeugen. 

Über dem Portal der Klosterkirche prangt jener Satz, auf den sich heute ganz Bayern beruft: „Liberalitas Bavarica“. Er sollte ursprünglich den Dank der Pollinger an die bayerischen Herrscher für ihre Großzügigkeit bei der Kirchenausstattung ausdrücken. Heute wird er eher als Synonym für bayerisches „leben und leben lassen“ verwendet.

Tatsächlich geht es in Polling so traditionell wie liberal zu, was zur Folge hat, dass Polling das einzige Dorf auf der Welt sein dürfte, in dem ein international bekannter Mercedes-SL-Spezialist die klassischen Flügeltürer pflegt und restauriert, nebenan ein weltberühmter „Neuer Wilder“ expressiv an jener Stelle malt, wo sich auch eine Kreativzelle der Weilheimer Jazz- und Electro-Szene befand. Ein paar Häuser weiter trifft sich der Trachtenverein in direkter Nachbarschaft zum Thomas-Mann-Haus, in dem die Mutter des Schriftstellers gelebt hat. Als „Pfeiffering“ fand Polling Einzug in Thomas Manns „Doktor Faustus“, ein gleichnamiger Weg führt zu zahlreichen Originalschauplätzen des Romans. Dabei kommt man auch an einem weiteren Kunstwerk vorbei: dem „Dream House“ des US-amerikanischen Künstlerpaars La Monte Young und Marian Zazeela – das andere steht in New York. 

Kirchenschätze, Kultur und Brauchtum werden in Polling gefeiert. Vor allem aber achtet und schützt man die umgebende Natur, die demnächst um ein Kunstwerk reicher sein wird.

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KUNST UND KLÖSTERLICHE TRADITION

Das Klosterdorf Polling liegt im Herzen des oberbayerischen Pfaffenwinkels südlich von München, nur wenige Kilometer von der Kreisstadt Weilheim entfernt. Der beschauliche Ort mit 3300 Einwohnern blickt auf eine 1250-jährige, von klösterlichem und landwirtschaftlichem Leben, aber auch von Kunst geprägte, Geschichte zurück. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten erinnern an Künstler vergangener Epochen, für die Polling Inspiration und Rückzugsort war. 

Schon im 19. Jahrhundert war Polling als Künstlerdorf bekannt. Zunächst als Sommerresidenz vieler Maler der "Münchner Schule", später auch als Pilgerstätte amerikanischer Künstler, die in der Landschaft nahe des Ammerufers Motive für ihre Gemälde fanden. Das "Museum Polling" zeigt u.a. Werke von Heinrich Zügel, Franz Defregger, Frank Duveneck und Crone, die hier entstanden sind.

Später ging der Ort als "Pfeiffering" auch in die Literaturgeschichte ein –  in Thomas Manns "Doktor Faustus", dessen Protagonist in die heile Welt des fiktiven "Pfeiffering" flieht. Der 2007 errichtete "Doktor-Faustus-Weg" führt an Schauplätzen des Romans vorbei.

Dass Tradition und Kultur in Polling eine besondere Rolle spielen, lässt nicht nur der historische Ortskern erahnen. Im Regenbogenstadl, dem "Dream House" zweier amerikanischer Künstler, dem Komponisten La Monte Young und seiner Frau, der Lichtkünstlerin Marian Zazeela, verbinden sich Klang und Licht zu einem gemeinsamen Werk.

Im Fischerbau, einem historischen Gebäude mit acht Gewölbekellern, das 2001 aufwendig restauriert wurde, wird seit 2003 zeitgenössische Kunst gezeigt, die eine Brücke vom Entstehen der klösterlichen Gemeinde im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart baut. Derzeit wird Dan Flavins Lichtinstallation "untitled 1970, Blue and red fluorescent light" gezeigt. 

Die Kunst der Gegenwart für die Zukunft zu erhalten, ihr zwischen Tradition und Moderne einen dauerhaften Platz zu geben, das ist auch das Ziel der STOA169. Der Standort westlich von Polling am Ufer der Ammer ist nicht zufällig gewählt, er ist Teil des Konzepts.