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STOA? 169?

Dr. Gerald Meier
 

Dass sich die Stoa169 ein Vorbild in der griechischen Antike entlehnt, setzt einen hohen Anspruch an das gesamte Projekt. Denn was vor rund 2000 Jahren als Erfolgsmodell unter dem Dach einer Säulenhalle als bedeutender Ort des Denkens in die Geistes-Geschichte einging, soll in eine bedeutende Wandelhalle unserer Tage übertragen werden. Damals ein Zentrum der Philosophie, heute ein Zentrum der Kunst.

Die Idee, dieses Kunstprojekt an die Gedankenwelt der stoischen Philosophie anzuknüpfen, ist natürlich nicht zufällig gewählt. Denn es geht nicht um die Halle als solche, sondern darum, was in ihr und durch sie geschieht. 

Die altgriechische Stoa war ein Ort, in dem gedacht, gelehrt und gelernt wurde. Ihre Wirkung lag nicht darin, dass sich Leute in einer Säulenhalle versammelt haben und erleuchtet wurden, sondern darin, durch streitendes Argumentieren, überzeugende, sprich wahre, Einsichten zu gewinnen.  

Eine überzeugende Einsicht führte dann beim Teilnehmer des Diskurses im Idealfall zu einem Wissen. Dieses Wissen bezog sich auf die Bestimmung des Menschen, also auf die Weisheit. Weisheit wiederum war der Grund zu einer gelassenen ethischen Haltung des Einzelnen, die ihn in einen Zustand der Befreiung oder „Glückseligkeit“ erhob. Aufgabe der stoischen Schule war es natürlich auch, die Weisheit logisch und rhetorisch zu erhalten. 

Im Kern geht es dem stoischen Denken also um die bekannte „Seelenruhe“ des Einzelnen. Eine Ruhe, die aus der Selbst-Erkenntnis stammt, dass der Mensch in eine Ordnung, in einen Kosmos gehört, in dem alles miteinander verbunden ist, alles aus einem Stoff besteht und einer Wahrheit folgt.

Heute wird zunehmend eher das Gegenteil gewollt. Weisheit und Selbsterkenntnis sind Begriffe, die kaum eine Rolle spielen. Stattdessen sind Selbsterhaltungsszenarien populär. Der Ruf nach Ab- und Ausgrenzung, Disharmonie und radikale Ablehnung eines „Ganzen“, das Alles und Alle verbindet, findet an vielen Köpfen ein offenes Ohr. Die negativen politischen und gesellschaftlichen Folgeerscheinungen machen täglich Schlagzeilen.

Die Stoa169 nimmt sich das antike Vorbild und entwirft eine moderne Version einer Wandelhalle, die sich den heutigen Parolen in den Weg stellt. Gleichsam lädt sie zu sich ein und bietet einen einzigartigen Ort der Vielfältigkeit in einer Einheit. 

Die Stoa169 will genau das ein: Ein freier Ort, in dem Wissen über das Ganze von Natur und Mensch entstehen kann, inspiriert von Künstlern, die ihre Säulen sprechen lassen. Die Stoa169 will zu denken geben.

Die Zahl 169 entstammt übrigens der Überlegung die Halle quadratisch anzulegen und ihr das Maß von 13 mal 13 zugrunde zu legen.