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STOA169

Die Idee STOA169

Bernd Zimmer 
 

Im Winter 1989/90 reiste ich zum ersten Mal nach Südindien. Beeindruckt von den Tempeln der Hindus und ihren Heiligtümern, die tief im Innern der ausgedehnten Tempel- anlagen liegen, konzentrierte sich mein Interesse mehr und mehr auf die Räume davor, auf die Säulenvorhallen, Säulengänge und Wartehallen, die zum Allerheiligen im Zentrum führen. Die Hallen dienten zur Meditation, aber auch dazu, die Pilger vor Regen und Sonne zu schützen. Sie wurden aus 100 oder auch 1000 Säulen errichtet und dienten in Kriegszeiten nicht selten als Zufluchtsort. Auch heute werden diese Hallen noch aufgesucht, um Ruhe zu finden, gemeinsam Mahlzeiten einzunehmen oder zu meditieren. Man ist dabei umgeben von den Säulen, die künstlerisch sehr individuell gestaltet sind. Sie erzählen in Stein gehauene Geschichten der göttlichen Familie, von Schlachten, Kämpfen, von erotischem Begehren und Liebe. Bereits während meiner ersten Indienreise, vor mehr als 25 Jahren, reifte in mir die Idee einer Künstlersäulenhalle. Erste konkrete Pläne entstanden, technische Möglichkeiten wurden erörtert. Als ich 2016 ein zweites Mal zu den Hindu-Heiligtümern Indiens reiste, drängte sich mein langjähriger Wunsch, das Großprojekt einer Säulenhalle mit mit über hundert Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt zu realisieren, erneut auf. Die Umsetzung sollte nicht länger aufgeschoben werden. In Zeiten von Kriegen und Hungersnöten, von Vertriebenen und Geflüchteten, ist es mir ein besonderes Anliegen, mit diesem Künstlerprojekt ein Zeichen für internationale Solidarität und Frieden zu setzen. Eine Halle, getragen von über hundert individuell gestalte- ten Säulen, geschaffen von Künstlerinnen und Künstlern aller Kontinente, wird zum Zeichen von Grenzenlosigkeit, friedlicher Koexistenz und der Achtung der Freiheit des anderen. Die Diversität der künstlerischen Ausgestaltung, das Zusammenspiel von Farbe, Form und Material werden zu einer überraschenden, überwältigenden, zur Betrachtung und Vertiefung einladenden Situation.
Das Nebeneinander unterschiedlicher Vorstellungen von Kunst – gedacht und erfahrbar in der schlichten Form einer Säule oder Stele – zeugt in der STOA169 vom Denken der Künstlerinnen und Künstler und der bildenden Kunst in unserer Welt. Es entsteht eine Insel des freien Diskurses.